DDR-Münzen aus Silber bewerten: 5, 10 und 20 Mark zwischen Silberwert und Sammlerpreis
In vielen Nachlässen liegen sie noch in der Originalhülle oder im Plastikschuber: Gedenkmünzen der DDR zu 5, 10 und 20 Mark. Von den 122 Motiven, die zwischen 1966 und 1990 in Berlin geprägt wurden, gibt es nur 53 in echtem Silber – der Rest besteht aus Neusilber, einer Legierung ohne ein einziges Gramm Edelmetall. Ob Ihre Münze beim aktuellen Silberpreis rund 14 bis 30 Euro reinen Materialwert mitbringt, einen Sammleraufschlag erzielt oder vor allem Erinnerungswert hat, verrät in den meisten Fällen schon eine Feinwaage. Eines vorweg: Umtauschen lassen sich die Stücke nirgends mehr, die Bundesbank nimmt Geld der DDR nicht an.
Devisenbringer aus Berlin: Wie die Gedenkmünzen der DDR entstanden
Die Deutsche Demokratische Republik gab ab 1966 regelmäßig Gedenkmünzen heraus. Bis zum Ende der eigenen Währung im Jahr 1990 entstanden 122 Motive in den Nominalen 5, 10 und 20 Mark – sämtlich geprägt in der einzigen Prägestätte des Landes, dem VEB Münze Berlin. Die ersten vier Ausgaben tragen noch die Bezeichnung „MDN“ für Mark der Deutschen Notenbank, wie die Währung damals offiziell hieß. Thematisch spannt sich der Bogen von Baumeistern, Dichtern und Wissenschaftlern wie Karl Friedrich Schinkel, Gottfried Wilhelm Leibniz oder Johann Wolfgang von Goethe über Jahrestage der Republik bis zu Bauwerken und Stadtjubiläen. Viele Ausgaben erinnern an runde Geburts- oder Todestage. Wer die DDR-Stücke in die gesamte deutsche Münzgeschichte einordnen möchte, findet im Beitrag zur deutschen Währungsgeschichte und ihren Kursmünzensätzen den Überblick.
Für die Staatsführung waren die Silbermünzen allerdings weniger Kulturgut als Devisenquelle. Ein großer Teil ging in den Westen: über den Export in die Bundesrepublik, über Intershops, über die Wechselstellen der Staatsbank und über die Deutsche Handelsbank – stets gegen konvertible Währung. Die eigenen Bürger kamen schwerer an die Stücke. Organisierte Münzsammler im Kulturbund der DDR erhielten je Ausgabe ein Kontingent von 6.000 Exemplaren, zum Nennwert zuzüglich zwei Mark für Etui und Verwaltung. Reguläre Goldmünzen gab es dagegen nie: Ohne frei konvertierbare Währung fehlte der DDR das Gold für ein solches Programm.
Prägezahl ist nicht gleich Auflage
Was sich nicht absetzen ließ, wanderte zurück in den Schmelztiegel. Serienprägungen mit Qualitätsmängeln, Rückläufer aus dem Vertrieb und Restbestände wurden eingeschmolzen. Deshalb klafft bei vielen Ausgaben eine deutliche Lücke zwischen geprägter und tatsächlich erhaltener Stückzahl. Von der 10-Mark-Münze auf Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1967 wurden 100.552 Exemplare geprägt, übrig blieben 61.940. Für Sammler zählt die zweite Zahl.
Weniger Silber bei gleichem Nennwert
Auffällig ist der schrittweise Rückzug des Edelmetalls. 1966 und 1967 – bei den 20 Mark auch noch 1968 – prägte die Münze Berlin ihre Silberstücke in 800er Silber. Danach sank der Feingehalt auf 625 Tausendstel und ab Mitte der 1970er-Jahre auf 500, laut numismatischer Literatur aus Kostengründen. Nur bei den 20-Mark-Stücken kehrte man ab 1986 noch einmal zum 625er Silber zurück. Über alle 122 Motive verteilt sich das Material laut der gängigen Katalogübersicht so:
- 68 Motive aus Neusilber (62 % Kupfer, 20 % Zink, 18 % Nickel) – kein Edelmetall
- 1 Motiv aus Kupfernickel – die 5 Mark „20 Jahre DDR“ von 1969
- 25 Motive aus 500er Silber
- 22 Motive aus 625er Silber
- 5 Motive aus 800er Silber
- 1 Motiv aus 999,5er Feinsilber – die 20 Mark Brandenburger Tor von 1990
Einzelne Motive wurden zusätzlich in einer zweiten Legierung ausgegeben, etwa die 20 Mark mit dem Brandenburger Tor, die es auch in Neusilber gibt. Die 53 Silbermotive verteilen sich auf 27 Ausgaben zu 10 Mark und 26 zu 20 Mark. Eine silberne 5-Mark-Münze hat die DDR nie geprägt.
Silber oder Neusilber? So erkennen Sie den Unterschied
Der Name führt in die Irre: Neusilber enthält kein Silber. Die Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel glänzt silbrig, hat aber keinen Edelmetallwert. Da der Feingehalt auf keiner DDR-Gedenkmünze eingeprägt ist, brauchen Sie andere Anhaltspunkte. Das zuverlässigste Merkmal ist das Gewicht, denn Silber- und Neusilberausgaben unterscheiden sich bei gleichem Durchmesser deutlich.
| Nominal | Durchmesser | Silber | Neusilber |
|---|---|---|---|
| 5 Mark | 29 mm | nie in Silber geprägt | 9,6 g oder 12,2 g (Kupfernickel 1969: 9,7 g) |
| 10 Mark | 31 mm | 17 g | 12 g |
| 20 Mark | 33 mm | 20,9 g (1990 Brandenburger Tor: 18,2 g Feinsilber) | 15 g (Heinrich Mann 1971: 16,5 g) |
Der Abstand ist so groß, dass schon eine günstige Feinwaage mit 0,1-Gramm-Teilung genügt: Eine 10-Mark-Münze mit 17 Gramm ist Silber, eine mit 12 Gramm ist Neusilber. Bei 20 Mark trennen fast sechs Gramm die beiden Varianten. Weitere Hinweise liefern Rand und Aufmachung:
- Gewicht: das wichtigste Kriterium, siehe Tabelle. Kleine Abweichungen im Zehntelgrammbereich sind bei getragenen Stücken unkritisch.
- Rand: Die Silberausgaben tragen meist eine vertiefte Randschrift, etwa „10 MARK * 10 MARK *“. Viele Neusilber-Umlaufstücke haben dagegen einen geriffelten Rand. Allein darauf verlassen sollten Sie sich nicht.
- Aufmachung: Glänzende Stücke in Hartplastikkassette oder Folie sind nicht automatisch Silber. Die sogenannte Exportqualität in Spiegelglanz gab es nur bei Neusilber – von 1979 bis 1986 in Hartkunststoffkassetten, von 1987 bis 1990 eingeschweißt.
- Magnet: Ein Magnettest bringt keine Klarheit, weil weder Silber noch Neusilber von einem Magneten angezogen werden.
- Münzzeichen: Viele Stücke tragen das A der Berliner Prägestätte. Über das Material sagt es nichts aus; mehr dazu im Beitrag über Münzzeichen und Prägestättenbuchstaben.
Wer unsicher ist, gleicht Motiv und Ausgabejahr mit einem Katalog ab. Daraus ergibt sich auch der Feingehalt, der für die Wertberechnung entscheidend ist.
Der Silberwert: So viel Edelmetall steckt in Ihrer Münze
Für jede silberne DDR-Gedenkmünze lässt sich der reine Materialwert in zwei Schritten berechnen. Zuerst ermitteln Sie das Feingewicht, also den reinen Silberanteil: Raugewicht mal Feingehalt, geteilt durch 1.000. Dann multiplizieren Sie das Ergebnis mit dem aktuellen Silberpreis je Gramm. Mitte Oktober 2026 kostete eine Feinunze Silber (31,1 Gramm) rund 50,70 Euro, das entspricht etwa 1,63 Euro je Gramm.
| Nominal und Feingehalt | Raugewicht | Feinsilber | Materialwert ca. |
|---|---|---|---|
| 10 Mark, 800er Silber | 17 g | 13,6 g | 22 € |
| 10 Mark, 625er Silber | 17 g | 10,63 g | 17 € |
| 10 Mark, 500er Silber | 17 g | 8,5 g | 14 € |
| 20 Mark, 800er Silber | 20,9 g | 16,72 g | 27 € |
| 20 Mark, 625er Silber | 20,9 g | 13,06 g | 21 € |
| 20 Mark, 500er Silber | 20,9 g | 10,45 g | 17 € |
| 20 Mark, 999,5er Silber (1990) | 18,2 g | 18,19 g | 30 € |
20 Mark Johann Gottfried Herder (1978), 500er Silber: 20,9 g × 500 ÷ 1.000 = 10,45 g Feinsilber. Bei 1,63 Euro je Gramm ergibt das rund 17 Euro Materialwert. Die 20 Mark Gottfried Wilhelm Leibniz (1966) aus 800er Silber kommt bei gleichem Gewicht auf 16,72 g Feinsilber und damit auf rund 27 Euro.
Diese Werte sind eine Untergrenze, kein garantierter Erlös. Händler kaufen Silber mit einem Abschlag auf den Börsenpreis an, weil Prüfung, Handling und Weiterverarbeitung Geld kosten. Gleichzeitig bewegt sich der Materialwert mit jedem Ausschlag des Silberpreises nach oben oder unten. Die Rechnung funktioniert übrigens genauso bei den Silbergedenkmünzen der D-Mark und des Euro oder beim westdeutschen 5-DM-Silberadler. Wie sich der Silberpreis zuletzt entwickelt hat, zeigt der Chart:
20 Mark der DDR: Von Leibniz bis zum Brandenburger Tor
Die 20-Mark-Gedenkmünzen sind die schwersten Stücke der Serie. 26 Motive erschienen in Silber, beginnend 1966 mit Gottfried Wilhelm Leibniz in 800er Silber. Auch die 20 Mark auf Karl Marx von 1968 bestand noch aus 800er Silber, Goethe folgte 1969 bereits in 625er. Ab 1986 kehrte die Münze Berlin bei diesem Nominal zum 625er Silber zurück, etwa bei den Brüdern Grimm, dem Stadtsiegel-Motiv, Carl Zeiss, Thomas Müntzer und Andreas Schlüter. Die späten Ausgaben erschienen zudem in kleinen Auflagen von meist 35.000 bis 38.500 Stück.
| Motiv | Jahr | Feingehalt | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| Gottfried Wilhelm Leibniz | 1966 | 800 | 50.000 geprägt, 48.581 erhalten |
| Karl Marx | 1968 | 800 | 76.538 geprägt, 53.146 erhalten |
| Johann Gottfried Herder | 1978 | 500 | 50.550 geprägt, 36.550 erhalten |
| Georg Friedrich Händel | 1984 | 500 | 35.900 |
| Ernst Moritz Arndt | 1985 | 500 | 36.000 |
| Carl Zeiss | 1988 | 625 | 35.020 (PP: 3.001) |
| Thomas Müntzer | 1989 | 625 | 38.500 |
| Andreas Schlüter | 1990 | 625 | 37.000 |
| Brandenburger Tor | 1990 | 999,5 | 154.525 (PP: 12.100) |
Die Ausnahme: 20 Mark Brandenburger Tor von 1990
Ein Sonderfall ist eine der letzten Ausgaben der DDR. Am 3. April 1990 erschien die 20-Mark-Münze zur Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989 – als einzige DDR-Gedenkmünze in 999,5er Feinsilber. Sie wiegt 18,2 Gramm und enthält damit gut 18 Gramm reines Silber, mehr als jedes andere Stück der Serie. Die Auflage lag bei 154.525 Stück, in Polierter Platte sind 12.100 Exemplare ausgewiesen. Parallel gab es eine Neusilberversion mit 15 Gramm in 302.005 Stück. Wer eine 20-Mark-Münze mit Brandenburger Tor und der Jahreszahl 1990 besitzt, sollte sie deshalb unbedingt wiegen.
Massenware aus Neusilber
Ganz anders sieht es bei den 20-Mark-Stücken aus Neusilber aus. Sie liefen als Umlaufmünzen in riesigen Stückzahlen vom Band: die 20 Mark Ernst Thälmann von 1971 allein in zehn Millionen Exemplaren, dazu Friedrich Schiller und Wilhelm Pieck (1972), Otto Grotewohl (1973), „30 Jahre DDR“ (1979) und Karl Marx (1983). Über alle Nominale hinweg wurden elf Neusilber-Gedenkmünzen in weit mehr als einer Million Stück geprägt. Silberwert haben sie keinen, und bei diesen Auflagen bleibt auch der Sammleraufschlag gering.
10 Mark und 5 Mark: Wo Silber steckt und wo nicht
Bei den 10-Mark-Gedenkmünzen erschienen 27 Motive in Silber. Den Anfang machte 1966 Karl Friedrich Schinkel in 800er Silber, von dem 50.000 Stück geprägt wurden und 48.883 erhalten blieben. 1967 folgte Käthe Kollwitz, ebenfalls noch in 800er. Mit Johannes Gutenberg sank der Feingehalt 1968 auf 625 (100.328 geprägt, 66.526 erhalten). Ab 1976 bestanden alle silbernen 10-Mark-Stücke aus 500er Silber – etwa die Ausgabe auf Carl Maria von Weber, von der 101.642 Exemplare geprägt wurden und nur 45.042 erhalten blieben; in Polierter Platte weisen die Kataloge 6.037 Stück aus.
Besonders interessant sind die späten Jahrgänge. Weil die Auflagen in den 1980er-Jahren deutlich sanken, sind diese Stücke knapper als die frühen Ausgaben, obwohl sie weniger Silber enthalten:
- 10 Mark Alfred Brehm (1984): 40.000 Stück
- 10 Mark Humboldt-Universität Berlin (1985): 38.000 Stück
- 10 Mark 275 Jahre Charité (1986): 38.000 Stück
- 10 Mark Ulrich von Hutten (1988): 37.000 Stück
- 10 Mark Johann Gottlieb Fichte (1990): 40.564 Stück – ausgegeben auf Grundlage der letzten Münzanordnung Nr. 83 vom 6. Juni 1990
Neusilber auch bei 10 Mark
Auch bei 10 Mark gibt es Massenware. Die 10 Mark Buchenwald von 1972 wurde in Neusilber mit 12 Gramm in 15,1 Millionen Exemplaren geprägt, rund 3,55 Millionen davon blieben nach Einschmelzungen erhalten. Vorsicht bei der 10 Mark „700 Jahre Münzprägung in Berlin“ von 1981: Sie wird mitunter als Silbermünze angeboten, besteht laut Katalogübersicht aber aus Neusilber.
5 Mark: Nie aus Silber
Bei den Fünfmarkstücken erübrigt sich die Waage: Keine einzige 5-Mark-Gedenkmünze der DDR enthält Silber. Alle bestehen aus Neusilber mit 9,6 oder 12,2 Gramm, eine Ausgabe aus Kupfernickel. Die 5 Mark „20 Jahre DDR“ aus Kupfernickel mit 9,7 Gramm kam einschließlich Nachprägungen auf über 50 Millionen Stück – alle mit der Jahreszahl 1969. Die 5 Mark mit dem Brandenburger Tor erschien im ersten Jahrgang 1971 in mehr als 18 Millionen Exemplaren und wurde später in einzelnen Jahrgängen bis 1990 nachgeprägt, 1983 und 1985 nur noch in je 3.000 Stück. Wie alltäglich die Massenausgaben waren, zeigt ein Detail: Fahrkartenautomaten nahmen Fünfmarkstücke an. Einen Metallwert haben die Stücke nicht. Sammlerwert entsteht allenfalls bei Jahrgängen mit Kleinauflage, bei Exemplaren in Polierter Platte und bei Probeprägungen.
Wann der Sammlerwert den Silberwert übersteigt
Für die Mehrzahl der silbernen DDR-Gedenkmünzen bildet der Silberpreis die Untergrenze. Ob ein Stück darüber gehandelt wird, entscheiden Sammler – und die achten auf ganz bestimmte Merkmale. Die Erhaltung steht dabei an erster Stelle. Die höchste Stufe ist die Polierte Platte (PP) mit spiegelndem Feld und mattiertem Relief. Darunter folgen Stempelglanz (stgl) für unberührte Stücke aus der Serienprägung und vorzüglich (vz) für Münzen mit nur minimalen Spuren.
Polierte Platte und Kleinstauflagen
Bei den silbernen 10-Mark-Stücken weisen die Kataloge gesonderte PP-Auflagen erst ab 1974 aus. Die Stücke wurden meist in einem verplombten Kunststoffschuber ausgegeben. Gerade die frühen PP-Jahrgänge sind äußerst knapp:
- 10 Mark „25 Jahre DDR“ (Bauten), 1974: nur 200 Stück in PP
- 10 Mark Caspar David Friedrich, 1974: nur 100 Stück in PP
- 10 Mark Albert Schweitzer, 1975: 1.040 Stück in PP
- 20 Mark Immanuel Kant, 1974: 4.284 Stück in PP
Bei solchen Stückzahlen spielt der Silberwert praktisch keine Rolle mehr. Was diese Münzen erzielen, ergibt sich aus Angebot und Nachfrage unter Sammlern. Ein aktueller Spezialkatalog und die Ergebnisse abgeschlossener Auktionen sind hier die einzig verlässliche Orientierung.
Was den Preis bestimmt
- Material: Silberausgaben haben einen Mindestwert, Neusilber nicht.
- Erhaltene Stückzahl: Maßgeblich ist, was nach den Einschmelzungen übrig blieb, nicht die Prägezahl.
- Erhaltung: Kratzer, Randfehler, Fingerabdrücke und Reinigungsspuren drücken den Preis teils erheblich.
- Originalverpackung: Eine unversehrte Plombe am PP-Schuber belegt den Originalzustand.
- Proben und Abschläge: Von vielen Motiven existieren Probeprägungen in anderen Materialien, die gesondert bewertet werden.
Gold aus der DDR: Zwei Raritäten
Obwohl es kein reguläres Goldprogramm gab, existieren DDR-Gedenkmünzen aus Gold. Die 20 Mark Karl Marx von 1968 wurde als Unikat in 999er Gold geprägt, als Geschenk zum 75. Geburtstag von Walter Ulbricht; das Stück befindet sich heute im Deutschen Historischen Museum. Von der 10 Mark zum 40. Jahrestag der Befreiung (1985) entstanden 266 Abschläge in 900er Gold, die als Ehrengeschenke an Staatsgäste gingen. Mit dem Inhalt einer gewöhnlichen Sammlung haben sie wenig zu tun.
Reinigen Sie DDR-Münzen niemals und öffnen Sie keine verplombten Schuber. Polieren, Silbertauchbad oder Zahnpasta hinterlassen feine Kratzer und mindern den Sammlerwert erheblich. Eine dunkle Tönung ist kein Mangel, sondern natürliche Patina – warum das so ist, lesen Sie im Beitrag über Patina und Anlauffarben bei Silbermünzen.
DDR-Münzen verkaufen: Schritt für Schritt
Ob geerbte Sammlung oder Fundstücke aus der Schublade: Mit einem systematischen Vorgehen vermeiden Sie, dass seltene Stücke im Silberposten untergehen oder Neusilber als vermeintliches Silber für Enttäuschung sorgt.
- Sortieren: Trennen Sie den Bestand nach 5, 10 und 20 Mark. Die Fünfmarkstücke können Sie für die Silberbewertung beiseitelegen, PP-Stücke und Jahrgänge mit Kleinauflage aber gesondert prüfen.
- Wiegen: Jede 10- und 20-Mark-Münze kommt auf die Feinwaage. 17 beziehungsweise 20,9 Gramm bedeuten Silber, 12 beziehungsweise 15 Gramm Neusilber.
- Feingehalt zuordnen: Über Motiv und Ausgabejahr bestimmen Sie im Katalog, ob 800er, 625er oder 500er Silber vorliegt, und berechnen daraus das Feingewicht.
- Besonderheiten aussortieren: PP-Stücke im Schuber, die Jahrgänge 1974 und 1975 sowie späte Kleinauflagen gehören nicht in den Silberposten, sondern werden einzeln bewertet.
- Angebote vergleichen: Holen Sie mehrere Ankaufsangebote ein und setzen Sie diese ins Verhältnis zum tagesaktuellen Silberpreis und zum errechneten Feingewicht.
- Steuern prüfen: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften sind nach § 23 EStG steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Innerhalb der Frist bleibt ein Gesamtgewinn von weniger als 1.000 Euro im Jahr steuerfrei (Freigrenze). Bei geerbten oder geschenkten Münzen wird die Anschaffung durch den Vorbesitzer angerechnet.
Diese Fehler kosten Geld
- Münzen vor dem Verkauf reinigen oder polieren
- Plomben öffnen, um die Münze genauer anzuschauen
- Die gesamte Sammlung pauschal nach Gewicht verkaufen, ohne Raritäten auszusortieren
- Neusilberstücke als Silber kalkulieren und mit falschen Erwartungen verhandeln
- Auf einen Umtausch bei der Bank hoffen: Die Bundesbank tauscht Banknoten und Münzen der DDR nicht mehr um
Kettner-Einordnung: Was die DDR-Münzen über Papiergeld lehren
Am 1. Juli 1990 trat die Währungsunion in Kraft, und die Mark der DDR verschwand über Nacht. Löhne, Renten und Mieten wurden im Verhältnis 1:1 auf D-Mark umgestellt. Bei den Sparguthaben galt der Kurs 1:1 nur bis zu Freibeträgen von 2.000 Mark für Kinder bis 14 Jahre, 4.000 Mark für 15- bis 59-Jährige und 6.000 Mark ab 60 Jahren. Alles darüber wurde 2:1 umgetauscht, bestimmte erst nach dem 31. Dezember 1989 entstandene Guthaben sogar 3:1. Das Aluminium-Kleingeld wurde weitgehend eingeschmolzen, die Pfennigmünzen blieben noch bis zum 30. Juni 1991 gültig.
Für viele Sparer hieß das: Was oberhalb der Freibeträge auf dem Konto lag, wurde nominal halbiert. Als Zahlungsmittel ist die Mark der DDR heute wertlos, keine Bank und keine Behörde nimmt sie mehr an. Eine 20-Mark-Münze aus 625er Silber dagegen trägt bis heute gut 13 Gramm Feinsilber in sich. Genau das ist der Kern dessen, was Edelmetall leistet: Es überdauert das Geldsystem, das es ausgegeben hat. Das Muster zieht sich durch die deutsche Geschichte – auch die Silbermünzen des Kaiserreichs und die 3-Reichsmark-Gedenkmünzen der Weimarer Republik haben ihre Währungen überlebt, weil im Metall ein eigener Wert steckt.
Unsere Einschätzung: Auch die stille Absenkung des Feingehalts ist ein Lehrstück. Aus 13,6 Gramm Feinsilber in einer 10-Mark-Münze von 1966 wurden ab 1976 nur noch 8,5 Gramm – bei unverändertem Nennwert. Das ist ein Minus von 37,5 Prozent. Der Staat hielt die Zahl auf der Münze stabil und sparte am Metall dahinter. Herrscher haben ihre Münzen auf diese Weise verschlechtert, seit es geprägtes Geld gibt – vom römischen Denar bis zur Kipper- und Wipperzeit.
Heute läuft dieselbe Entwertung leiser und ohne Waage: über die Ausweitung der Geldmenge und Inflationsraten, die Ersparnisse Jahr für Jahr real schrumpfen lassen. Wir halten es für keinen Zufall, dass hoch verschuldete Staaten an diesem Mechanismus festhalten, denn Inflation entwertet nicht nur die Ersparnisse der Bürger, sondern auch die Schulden des Staates. Die DDR-Silbermünze in der Schublade erinnert daran, dass der Nennwert eine politische Zusage ist. Das Gewicht dagegen lässt sich nachwiegen.
Das Motiv der Mark der DDR gibt es heute auch als Feinsilbermünze, etwa die 1 Unze Silber DDR Mark 2025 in Polierter Platte mit einer Auflage von 5.000 Stück. Einen Überblick über aktuelle Ausgaben bietet die Kategorie Silbermünzen.
Aktuelle Meldungen rund um Silber und den Silberpreis:
Häufige Fragen zu DDR-Münzen aus Silber
Welche DDR-Münzen sind aus Silber?
Nur ein Teil der Gedenkmünzen zu 10 und 20 Mark. Von 122 Motiven aus den Jahren 1966 bis 1990 gibt es 53 in Silber: 27 zu 10 Mark und 26 zu 20 Mark, in den Feingehalten 800, 625, 500 und einmal 999,5. Die Kursmünzen und alle 5-Mark-Gedenkmünzen enthalten kein Silber.
Wie viel ist eine 10-Mark-Münze der DDR aus Silber wert?
Je nach Feingehalt enthält sie 8,5 bis 13,6 Gramm Feinsilber. Bei einem Silberpreis von rund 1,63 Euro je Gramm (Mitte Oktober 2026) entspricht das einem Materialwert von etwa 14 bis 22 Euro. Seltene Stücke in Polierter Platte oder aus Kleinauflagen können deutlich darüber liegen, Neusilberausgaben haben keinen Silberwert.
Wie viel ist eine 20-Mark-Münze der DDR wert?
Silberne 20-Mark-Stücke enthalten 10,45 bis 16,72 Gramm Feinsilber, was derzeit etwa 17 bis 27 Euro Materialwert entspricht. Die 20 Mark Brandenburger Tor von 1990 aus 999,5er Silber kommt mit gut 18 Gramm Feinsilber auf rund 30 Euro. Neusilberstücke mit 15 Gramm sind meist Massenware.
Kann ich DDR-Münzen bei der Bundesbank umtauschen?
Nein. Laut Deutscher Bundesbank können Banknoten und Münzen der SBZ und der DDR nicht mehr umgetauscht werden. Ein Wert ergibt sich heute nur noch aus dem Silbergehalt oder aus der Nachfrage von Sammlern.
Wie erkenne ich, ob meine DDR-Münze aus Silber ist?
Am sichersten mit einer Feinwaage: 10 Mark aus Silber wiegen 17 Gramm, aus Neusilber 12 Gramm. 20 Mark aus Silber wiegen 20,9 Gramm, aus Neusilber 15 Gramm. Eine vertiefte Randschrift ist ein zusätzlicher Hinweis, aber kein Beweis.
Welche DDR-Gedenkmünzen sind besonders selten?
Vor allem frühe Ausgaben in Polierter Platte: Von der 10 Mark Caspar David Friedrich (1974) gibt es nur 100 PP-Exemplare, von der 10 Mark „25 Jahre DDR“ (1974) nur 200. Dazu kommen späte Kleinauflagen wie die 20 Mark Carl Zeiss (1988) mit 35.020 Stück, die Jahrgänge 1983 und 1985 der 5 Mark Brandenburger Tor mit je 3.000 Stück sowie Probeprägungen und Goldabschläge.
Sollte ich angelaufene DDR-Münzen reinigen?
Nein. Jede Reinigung hinterlässt Spuren, die Sammler sofort erkennen und die den Wert mindern. Bewahren Sie die Münzen trocken und möglichst in der Originalverpackung auf, verplombte Schuber bleiben geschlossen.
Muss ich den Verkauf von DDR-Silbermünzen versteuern?
Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften sind nach § 23 EStG steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Innerhalb der Frist bleibt ein Gesamtgewinn von weniger als 1.000 Euro im Jahr steuerfrei; wird diese Freigrenze erreicht, ist der gesamte Gewinn zu versteuern. Bei geerbten oder geschenkten Münzen wird die Anschaffung durch den Vorbesitzer angerechnet. Wer die Stücke noch aus DDR-Zeiten besitzt oder aus einem solchen Nachlass erbt, hat die Frist daher längst hinter sich.
Ontvang binnen enkele minuten een gratis en persoonlijk edelmetaalaanbod dat past bij uw financiële doelen.
Nu offerte aanvragenVergelijkbare artikelen

155 Jahre Goldmark: Wie die Reichsgoldwährung von 1871 das Silber entthronte und den Silberpreis über Jahrzehnte drückte

Edelmetalle vererben: Erbschaftssteuer, Nachweis und Übergabe von Gold und Silber

Maple Leaf: Der Ratgeber zur kanadischen Anlagemünze mit 999,9er Gold und Bullion-DNA

Britannia: Der komplette Ratgeber zur britischen Anlagemünze in Gold und Silber

Der Volcker-Schock als Blaupause – was mit Gold passiert, wenn Notenbanken wirklich straffen

Black Friday bei Gold und Silber: Warum Edelmetalle kaum rabattiert werden können und woran man ein echtes Angebot erkennt

Gold und Silber gestohlen: Anzeige, Beweislisten, Versicherung und die Chance auf Rückgabe

Wird Gold am Wochenende gehandelt? Handelszeiten, Montagslücke und was das für den Kauf bei Händlern bedeutet

Gold mit Bitcoin kaufen: Zahlungsweg, Legitimation und die Steuerfalle beim Tausch

5 DM Silberadler „Heiermann“: Wert, Prägestätten und was das Jubiläum 2026 für Sammler bedeutet

Kleine Goldbarren mit 10, 20 und 50 Gramm: Wo der Aufgeld-Kompromiss wirklich liegt

Margin Call an der COMEX: Wie Einschussforderungen Gold und Silber 2026 zum Einsturz brachten

Edelmetall-Bilanz 2026 – Gold, Silber, Platin und Palladium nach der Fed-Wende

Welche Goldmünze kaufen? Krügerrand, Maple Leaf, Philharmoniker und American Eagle im Direktvergleich

Wie anonym ist der Goldkauf wirklich? Legitimation, gespeicherte Daten und die häufigsten Irrtümer

Herkunftsnachweis und Bestandsdokumentation: Welche Belege bei Gold und Silber wirklich zählen

Gold auf Echtheit prüfen: Wolfram-Kern, Dichte, Ultraschall und Leitfähigkeit im Praxistest

Gold zu Lebzeiten verschenken: Schenkungssteuer, Freibeträge und der richtige Weg

Währungsreform und Edelmetalle: Was 1923 und 1948 über Gold, Silber und Sachwerte lehren

20 Franken Gold Helvetia: Der Vorgänger des Vreneli mit dem Helvetiakopf (1883 bis 1896)

Lastenausgleich und Vermögensabgabe: Was 1952 wirklich galt – und wo Gold und Silber heute stehen

Peru und Mexiko: Warum vier von zehn Silberunzen aus nur zwei Ländern stammen

Krypto-Haltefrist vor dem Aus: Was der Haushaltsentwurf 2027 für die Spekulationsfrist bei Gold und Silber bedeutet


