Peru und Mexiko: Warum vier von zehn Silberunzen aus nur zwei Ländern stammen
Silber gilt als Industriemetall mit breiter Basis – doch das Angebot hängt an einer erstaunlich kurzen Leine. Zwei Länder, Mexiko und Peru, fördern zusammen fast vier von zehn Unzen, die weltweit aus dem Boden kommen. In Mexiko fallen die Erzgehalte seit Jahren, in Peru treffen ein Energie-Notdekret, Straßenblockaden und eine ungelöste Bergbau-Formalisierung aufeinander. Wer physisches Silber kauft, sollte diese Landkarte kennen – denn sie erklärt mehr über Verfügbarkeit und Aufgelder als jede Defizit-Schlagzeile.
Zwei Länder, fast vier von zehn Unzen
Die globale Minenproduktion lag 2025 bei 846,6 Millionen Unzen Silber – ein Zuwachs von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das klingt nach Wachstum, verteilt sich aber extrem ungleich. Mexiko blieb mit 172,9 Millionen Unzen größter Förderstaat, rund ein Fünftel des Weltangebots. Peru folgte mit 130,6 Millionen Unzen und einem Plus von 7 Prozent. China lag mit 112,8 Millionen Unzen auf Platz drei.
Rechnet man Mexiko und Peru zusammen, ergeben sich gut 303 Millionen Unzen – etwa 36 Prozent der weltweiten Minenförderung. Auf Basis der Tonnage-Schätzungen des US Geological Survey (Mexiko 6.300 Tonnen, Peru 3.600 Tonnen bei rund 26.000 Tonnen global) landet man sogar bei knapp 38 Prozent. Beide Datensätze erzählen dieselbe Geschichte: Fast vier von zehn Silberunzen stammen aus zwei Ländern mit sehr unterschiedlichen, aber gleichzeitig wirkenden Problemen.
| Land | Förderung 2025 | Anteil global | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Mexiko | 172,9 Mio. Unzen | rund 20 % | −5 % (dritter Rückgang in Folge) |
| Peru | 130,6 Mio. Unzen | rund 15 % | +7 % |
| China | 112,8 Mio. Unzen | rund 13 % | – |
| Welt insgesamt | 846,6 Mio. Unzen | 100 % | +3 % |
Zur Datenbasis: Der World Silver Survey wird von Metals Focus für das Silver Institute erstellt und rechnet in Feinunzen. Der US Geological Survey erhebt eigenständig in Tonnen und kommt zu leicht abweichenden Länderanteilen. Wir nennen beide Werte, statt sie zu vermischen – die Bandbreite von 36 bis 38 Prozent für Mexiko und Peru gemeinsam ist das belastbare Ergebnis.
Mexiko: Spitzenplatz mit sinkenden Erzgehalten
Mexiko führt die Rangliste seit über einem Jahrzehnt – aber der Vorsprung schrumpft. Die Förderung ging 2025 das dritte Jahr in Folge um jeweils rund 5 Prozent zurück. Ganz Nordamerika verzeichnete damit die niedrigste Silberproduktion seit zehn Jahren. Der Grund ist nicht Politik, sondern Geologie.
Wenn das gute Erz oben aufgebraucht ist
Reife Lagerstätten arbeiten sich von oben nach unten ab. Das höhergradige, oberflächennahe Erz ist in vielen mexikanischen Distrikten gefördert, was bleibt, liegt tiefer und enthält weniger Silber pro Tonne. Die Folge: Für dieselbe Unze müssen mehr Tonnen Gestein gebrochen, transportiert und aufbereitet werden. Kapital- und Betriebskosten pro Tonne steigen – und sie steigen schneller, als der höhere Silberpreis sie ausgleichen kann.
Sinaloa, historisch Mexikos wichtigster Silberstaat, ist dafür das Lehrbeispiel. Die etablierten Minen liefern weniger, während neue Projekte erst in der Entwicklung stecken. Auch Fresnillo, der größte reine Silberproduzent der Welt, spürt das: Die Fördermenge fiel 2025 zweistellig, für 2026 nennt das Unternehmen eine Zielspanne von 42,0 bis 46,5 Millionen Unzen. Dass die Bilanzen trotzdem glänzen, liegt am Preis, nicht an der Menge – im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um rund 75 Prozent.
Der regulatorische Bodensatz
Dazu kommt ein politischer Rahmen, der Investitionen bremst. Die Ausführungsverordnung zur mexikanischen Bergbaureform von 2023 ist noch nicht veröffentlicht, und ein Gesetzentwurf zum Verbot des Tagebaus liegt im Kongress, ohne dass darüber abgestimmt wurde. Für Projektentwickler bedeutet das: Planungsunsicherheit über Jahre – genau in der Phase, in der Ersatz für die auslaufenden Altminen entstehen müsste.
- Geologisch: fallende Erzgehalte, tieferer Abbau, höhere Kosten pro Tonne
- Betriebswirtschaftlich: Kostenanstieg frisst den Preisvorteil teilweise auf
- Regulatorisch: offene Ausführungsbestimmungen und ein schwebendes Tagebau-Verbot
- Zeitlich: neue Projekte brauchen viele Jahre von der Bohrung bis zur ersten Unze
Peru: Energie-Notdekret, Blockaden und ein ungelöstes Register
Peru ist die Gegenprobe: Hier steigt die Förderung, aber das Umfeld wird brüchiger. Das Land hält nach gängigen Schätzungen die größten Silberreserven der Welt – nur nützen Reserven wenig, wenn Strom, Straßen und Rechtssicherheit wackeln.
Die Energiefrage
Im März 2026 riss eine Leitung des Camisea-Gassystems. Die nationale Gasversorgung brach nach Darstellung von Marktbeobachtern um rund 90 Prozent ein, die Kosten der Stromerzeugung vervielfachten sich von etwa 40 auf über 200 US-Dollar je Megawattstunde. Die Regierung erklärte den Rationierungsnotstand, stoppte Gasexporte und griff auf strategische Ölreserven zurück. Am 11. Mai 2026 folgte das Notdekret Nr. 003-2026, mit dem der Staatskonzern Petroperú finanziell gestützt wurde; im Raum stand ein Kredit von rund 2 Milliarden US-Dollar.
Das ist für Bergbau kein Randthema. Gewinnung, Aufbereitung und Verhüttung sind energieintensiv. Und die Struktur des peruanischen Silberbergbaus verstärkt den Effekt: Rund drei Viertel der Silberprojekte werden von kleinen und mittelgroßen Betreibern geführt, die anhaltend höhere Energiekosten kaum abfedern können. Petroperú selbst ist Teil des Problems – der Anteil des Staatskonzerns an der nationalen Kraftstoffversorgung fiel von 51 Prozent im Jahr 2013 auf zuletzt rund 19 Prozent, und seit Ende 2025 wechselte die Führungsspitze mehrfach.
Blockaden statt Bombenkrater
Perus zweites Dauerthema sind Straßenblockaden. Silber- und Kupferkonzentrate müssen aus Höhenlagen zu den Pazifikhäfen gefahren werden; eine blockierte Bergstraße unterbricht diese Kette ohne Vorwarnung. Solche Proteste erzeugen keine dramatischen Tages-Charts – sie kosten Ladungen, Lagerkapazität und Planbarkeit.
Seit dem 28. Juli 2026 regiert Präsidentin Keiko Fujimori, die nach einem knappen Wahlsieg in der Stichwahl ein ambitioniertes Bergbau-Investitionsprogramm angekündigt hat. Eine Untersuchung des peruanischen Observatoriums für Bergbaukonflikte, über die Reuters berichtete, bezifferte die geplanten Investitionen auf rund 64 Milliarden US-Dollar – vieles davon in armen ländlichen Regionen, in denen Gemeinden wenig lokalen Nutzen sehen und Umweltfolgen fürchten. Die Studie sieht darin ein erhöhtes Risiko neuer Proteste in den Bergbauregionen.
REINFO: 300.000 Bergleute im Wartestand
Das dritte Element ist das Register REINFO, mit dem Peru den informellen Bergbau in einen legalen Rahmen überführen will. Betroffen sind nach Schätzungen etwa 300.000 Bergleute, vorwiegend im Gold- und Kupferbereich. Der Prozess ist bis Ende 2026 verlängert; im Kongress wird über eine weitere Verlängerung diskutiert. Beide Ausgänge bringen Risiken mit sich:
- Auslaufen ohne Lösung: Ein Teil der Produktion verlässt den legalen Rahmen – mit unmittelbarem Effekt auf gemeldete Fördermengen und Konzentratströme.
- Verlängerung ohne Reform: Die Unsicherheit bleibt, und mit ihr die soziale Spannung in Regionen, die ohnehin häufig von Unruhen betroffen sind.
Für Silber wirkt REINFO vor allem indirekt, über die politische Temperatur in den Bergbauprovinzen. Genau dort entscheidet sich, ob Konzentrate rollen oder stehen.
Warum Perus Konzentrate in chinesischen Raffinerien landen
Ein Punkt wird in der deutschen Debatte oft übersehen: Peru verkauft nicht überwiegend fertiges Feinsilber, sondern silberhaltiges Konzentrat. Dieses Vorprodukt aus Blei-, Zink- und Kupfererz wandert dorthin, wo Schmelz- und Raffineriekapazität steht – und das ist in großem Umfang China. Schätzungen zufolge kommt etwa die Hälfte der chinesischen Konzentrat-Importe aus Peru.
Daraus ergibt sich eine doppelte Abhängigkeit. Fällt peruanische Förderung aus, fehlen nicht nur Unzen in der Statistik, sondern auch Einsatzmaterial für die Raffinerien, die einen erheblichen Teil des weltweiten Feinsilbers produzieren. Berichten zufolge halten chinesische Exportbeschränkungen zugleich mehr raffiniertes Metall im Land. Eine Störung in Peru würde sich also nicht linear, sondern verstärkt auf das frei verfügbare Angebot in westlichen Handelsplätzen auswirken.
Wer die Lieferkette von der Mine bis zur Anlagemünze verstehen will, muss deshalb drei Stationen trennen: Förderung (Mexiko, Peru), Raffination (stark in Asien) und Prägung (verteilt über staatliche und private Münzstätten weltweit). Engpässe können an jeder dieser Stationen entstehen – und sie wirken unterschiedlich schnell auf Verfügbarkeit und Aufgeld.
Die Beiprodukt-Falle: warum höhere Preise das Angebot nicht drehen
Silber reagiert auf Preissignale träger als fast jedes andere Metall – weil es meist gar nicht das Ziel des Abbaus ist. Nach Erhebungen von Metals Focus ist der Anteil reiner Silberminen am Weltangebot auf 26 Prozent gefallen, einen historischen Tiefstand. Rund drei Viertel des Silbers entstehen als Beiprodukt von Blei-, Zink-, Kupfer- und Goldbergbau.
Das hat zwei Konsequenzen. Erstens: Die Fördermenge folgt der Wirtschaftlichkeit anderer Metalle. Ist Zink schwach, wird weniger Zink abgebaut – und damit weniger Silber, unabhängig davon, was Silber kostet. Zweitens: Kein Betreiber startet eine Blei-Zink-Mine innerhalb von Monaten, nur weil das Beiprodukt teuer ist. Die Mechanik dahinter haben wir im Beitrag zur Preiselastizität des Silberangebots ausführlich beschrieben.
Der Realitätstest liegt bereits hinter uns. Silber erreichte im Januar 2026 mit rund 121 US-Dollar je Unze einen Rekordwert – die Minenproduktion des Vorjahres wuchs trotzdem nur um 3 Prozent. Für 2026 erwarten Metals Focus und das Silver Institute eine praktisch unveränderte Förderung von 844,1 Millionen Unzen, also ein Minus von etwa 2,5 Millionen Unzen. Peru wird in dieser Prognose als erster Posten unter den Rückgängen genannt, ausgelöst durch schwächere Blei- und Zinkproduktion; eine Erholung in Mexiko reicht nicht, um das auszugleichen.
Das Defizit ist strukturell – aber kein Preisautomat
Auf der Bilanzseite ergibt das ein bekanntes Bild. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein Marktdefizit von 46,3 Millionen Unzen – das sechste Defizitjahr in Folge, nach 40,3 Millionen Unzen im Jahr 2025. Seit 2021 haben die kumulierten Defizite die oberirdischen Lagerbestände um schätzungsweise 762 Millionen Unzen verringert. Das entspricht annähernd einer kompletten Jahresförderung.
Vier Zahlen, die den Silbermarkt 2026 rahmen
- 846,6 Mio. Unzen Minenförderung 2025, Prognose 2026: 844,1 Mio. Unzen
- 46,3 Mio. Unzen erwartetes Defizit 2026 – sechstes Jahr in Folge
- 26 Prozent Anteil reiner Silberminen am Weltangebot – Rekordtief
- rund 136 Mio. Unzen geschätzter frei verfügbarer Bestand in London im Oktober 2025
Der zuletzt genannte Wert ist der empfindlichste. Der sogenannte Free Float der LBMA – also das physische Metall, das in London tatsächlich zur Verfügung steht – fiel im Oktober 2025 auf schätzungsweise 136 Millionen Unzen, worauf die Leihsätze sprangen. Entspannung kam erst, als rund 48 Millionen Unzen aus COMEX-Lagern nach London verlagert wurden. Das war eine Umverteilung vorhandenen Metalls, kein neues Angebot. Wie dieser Stress zustande kommt, zeigt unser Beitrag zur physischen Knappheit und den Leihsätzen; welche Rolle das Sekundärangebot spielt, erklärt der Artikel zum Silber-Recycling.
Bei aller Angebotsdramatik gehört die Gegenprobe dazu: Ein Defizit ist kein Preisversprechen. Die Industrie verbrauchte 2025 rund 657 Millionen Unzen und damit etwa 58 Prozent der Gesamtnachfrage – 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2026 wird ein Rückgang der Photovoltaik-Nachfrage um etwa 19 Prozent erwartet, weil Hersteller den Silbereinsatz je Zelle senken. Und kurzfristig dominieren ohnehin Zinsen und Dollar: Mitte September 2026 notierte Silber bei rund 64 US-Dollar je Unze, deutlich unter dem Januar-Rekord, während das Gold-Silber-Verhältnis bei etwa 67 lag. Die Länderrisiken wirken nicht auf Tagesbasis – sie verändern das Fundament, auf dem der Preis steht.
Was das für Verfügbarkeit und Aufgelder bedeutet
Für Käufer physischen Silbers ist die Länderkonzentration kein akademisches Thema. Zwischen Minenstörung und leerem Regal im Handel liegen mehrere Puffer – Konzentratlager, Raffineriebestände, Münzstätten-Vorräte, Händlerlager. Wenn diese Puffer dünner werden, zeigt sich das nicht zuerst im Spotpreis, sondern in zwei anderen Größen:
- Aufgeld: Die Differenz zwischen Spotpreis und Produktpreis weitet sich, wenn Prägekapazität oder Nachschub knapp sind. Bei Silber liegt das Aufgeld ohnehin strukturell höher als bei Gold – wegen Prägekosten je Unze Metallwert, Logistik und Umsatzsteuer.
- Lieferzeit und Sortiment: Zuerst verschwinden meist einzelne beliebte Jahrgänge und Stückgrößen, nicht das Metall als Ganzes. Wer flexibel bei Motiv und Prägestätte ist, findet in solchen Phasen eher Ware.
Praktisch heißt das: Eine breite Streuung über Prägestätten und Herkunftsländer reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferketten. Der Silber-Krügerrand aus Südafrika, der Somalia Elefant aus deutscher Prägung und die mexikanische Libertad – letztere direkt aus dem hier beschriebenen Förderland – stammen aus drei verschiedenen Prägetraditionen. Bei größeren Beträgen kommen zusätzlich Silberbarren in Betracht, deren Aufgeld pro Unze mit steigender Stückgröße in der Regel sinkt.
Einordnung: Dieser Beitrag beschreibt Angebotsstrukturen und politische Risiken. Er ist keine Prognose für Preise und keine Anlageempfehlung. Edelmetallkurse schwanken, und Angebotsrisiken können sich auflösen, ohne dass sie je preiswirksam werden.
Woran sich die Lage erkennen lässt
Wer die Entwicklung verfolgen will, braucht keine Insiderquellen. Fünf öffentlich verfügbare Signale genügen, um zu erkennen, ob sich die Angebotslage in Mexiko und Peru verschärft oder entspannt:
- Quartalsberichte der Produzenten: Fresnillo, Buenaventura und Pan American Silver nennen Fördermengen, Erzgehalte und Kosten je Unze – die Erzgehalte sind der eigentliche Frühindikator.
- Peruanische Energie- und Notstandsdekrete: Jede Verlängerung oder Ausweitung zeigt, dass die Stromkostenfrage ungelöst bleibt.
- REINFO-Entscheidungen im Kongress: Verlängerung, Reform oder Auslaufen verändern das Konfliktniveau in den Bergbauregionen.
- Leihsätze und Lagerbestände in London und an der COMEX: Sie zeigen, wie dünn der physische Puffer gerade ist.
- Aufgelder im Einzelhandel: Der bodennächste Indikator – sie reagieren auf Knappheit früher als der Spotpreis.
Häufige Fragen
Stammen wirklich vier von zehn Silberunzen aus Mexiko und Peru?
Annähernd. Nach dem World Silver Survey 2026 förderten beide Länder 2025 zusammen rund 303 von 846,6 Millionen Unzen, also etwa 36 Prozent. Legt man die Tonnage-Schätzungen des US Geological Survey zugrunde, liegt der gemeinsame Anteil bei knapp 38 Prozent. Die Formulierung „fast vier von zehn Unzen“ beschreibt diese Bandbreite zutreffend, „genau 40 Prozent“ wäre zu viel.
Warum steigt die Silberförderung nicht, obwohl der Preis Rekorde erreicht hat?
Weil rund drei Viertel des Silbers als Beiprodukt anderer Metalle anfallen. Der Anteil reiner Silberminen am Weltangebot liegt bei nur 26 Prozent. Eine Blei-Zink- oder Kupfermine wird nach der Wirtschaftlichkeit ihres Hauptmetalls betrieben, nicht nach dem Silberpreis. Zudem brauchen neue Projekte von der Genehmigung bis zur ersten Unze viele Jahre. Entsprechend wuchs die Förderung 2025 nur um 3 Prozent, und für 2026 wird sie mit 844,1 Millionen Unzen praktisch unverändert erwartet.
Was genau ist das peruanische Notdekret 003-2026?
Mit dem Dekret vom 11. Mai 2026 genehmigte die peruanische Regierung finanzielle Nothilfe für den Staatskonzern Petroperú, um die nationale Energieversorgung zu stabilisieren. Vorausgegangen war der Bruch einer Leitung des Camisea-Gassystems im März 2026, nach dem die Stromerzeugungskosten stark stiegen. Für die energieintensive Silbergewinnung und -aufbereitung ist das ein direkter Kostenfaktor, besonders für die vielen kleinen und mittelgroßen Betreiber im Land.
Was ist REINFO und warum ist es für den Silbermarkt relevant?
REINFO ist Perus Register zur Formalisierung des informellen Bergbaus, das etwa 300.000 Bergleute betrifft – vor allem im Gold- und Kupferbereich. Der Prozess wurde bis Ende 2026 verlängert. Silber ist kaum direkt betroffen, wohl aber indirekt: Ein ungelöstes REINFO erhöht die soziale Spannung in genau jenen Regionen, aus denen Silber- und Kupferkonzentrate zu den Häfen transportiert werden. Blockierte Straßen unterbrechen die Lieferkette schneller als jede Fördermengenrevision.
Warum wird peruanisches Silber in China raffiniert?
Peru exportiert überwiegend silberhaltiges Konzentrat, kein Feinsilber. Dieses Vorprodukt geht dorthin, wo Schmelz- und Raffineriekapazität vorhanden ist, und diese ist in erheblichem Umfang in China konzentriert. Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte der chinesischen Konzentrat-Importe aus Peru. Eine Störung in Peru trifft damit zwei Stufen der Kette gleichzeitig: die Förderung und die Raffination.
Führt ein anhaltendes Angebotsdefizit zwangsläufig zu höheren Preisen?
Nein. Ein Defizit wird aus oberirdischen Beständen gedeckt, solange diese reichen, und der Preis reagiert kurzfristig stärker auf Zinsen, Dollarkurs und Industrienachfrage. 2026 wird beispielsweise ein Rückgang der Photovoltaik-Nachfrage um rund 19 Prozent erwartet, der das Defizit dämpft. Angebotsrisiken wie in Mexiko und Peru verändern nicht den Tagespreis, sondern die Robustheit des Marktes gegenüber zusätzlichen Störungen.
Wie wirkt sich das auf Aufgelder bei Silbermünzen aus?
Aufgelder entstehen nicht an der Mine, sondern weiter unten in der Kette – bei Raffination, Prägung, Logistik und im Handel. Wenn Nachschub oder Prägekapazität knapp werden, weitet sich die Differenz zwischen Spotpreis und Produktpreis, typischerweise zuerst bei beliebten Jahrgängen und kleinen Stückgrößen. Bei Silber liegt das Aufgeld strukturell über dem von Gold, unter anderem wegen der Umsatzsteuer und der höheren Prägekosten je Unze Metallwert. Eine Übersicht des aktuellen Angebots finden Sie in den Kategorien Silbermünzen und Silber.
Fazit
Die Silber-Lieferkette ist geografisch enger geschnürt, als ihre ruhige Statistik vermuten lässt. Mexiko verliert Erzgehalt, Peru verliert Planbarkeit – und beide zusammen stehen für annähernd vier von zehn geförderten Unzen. Weil rund drei Viertel des Silbers als Beiprodukt entstehen, kann der Markt auf solche Störungen nicht mit Mehrförderung antworten. Das macht die Angebotsseite zur unelastischen Größe in einer Gleichung, deren Nachfrageseite von Industrie, Zinsen und Anlegerstimmung getrieben wird. Für Käufer physischen Metalls ist das weniger ein Kaufsignal als eine Aufforderung zur Nüchternheit: Verfügbarkeit und Aufgeld sind die Größen, an denen sich Knappheit zuerst zeigt – lange bevor sie in den Schlagzeilen landet.
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