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Edelmetall-Bilanz 2026 – Gold, Silber, Platin und Palladium nach der Fed-Wende

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Ende Januar 2026 kostete eine Unze Gold zeitweise fast 5.600 Dollar. Nach neun Monaten stand der Preis in Euro fast genau dort, wo er zu Silvester gestanden hatte. Silber, Platin und Palladium hatten bis Ende September in Euro zwischen 18 und 23 Prozent verloren, und im Oktober ging es für alle vier Metalle weiter abwärts. Dazwischen lag die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit drei Jahren. Diese Zwischenbilanz ordnet ein, was hinter den Zahlen steckt.

Vier Metalle, vier Geschichten

Die Bilanz nach drei Quartalen wirkt unspektakulär – und täuscht. Auf zwei starke Anfangsmonate folgten heftige Einbrüche im März und im Juni, danach eine Erholung im August und ein schwacher September. Wer nur den Stand vom Jahresbeginn mit dem von Ende September vergleicht, sieht von diesem Auf und Ab fast nichts. Der Oktober hat die Verluste bei allen vier Metallen noch einmal vergrößert.

Preise je Unze in Euro, gerundet. Stand 23. Oktober 2026.
Metall Januar bis September Preis am 23. Oktober Seit Jahresbeginn
Gold Minus 0,7 % Rund 3.600 Euro Minus 2,6 %
Silber Minus 18 % Rund 48 Euro Minus 26 %
Platin Minus 19 % Rund 1.400 Euro Minus 25 %
Palladium Minus 23 % Rund 940 Euro Minus 32 %

Gold hat sich mit Abstand am besten gehalten. Zwischen Gold und Palladium liegen inzwischen fast 30 Prozentpunkte. Wer pauschal von „den Edelmetallen“ spricht, beschreibt also vier sehr verschiedene Märkte. Anleger im Euroraum kamen dabei etwas besser weg als in Dollar gerechnet. Der Dollar hat gegenüber dem Euro zugelegt und die Verluste in Euro abgefedert. In Dollar liegt Gold seit Jahresbeginn gut sieben Prozent im Minus, in Euro nicht einmal drei Prozent.

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Gold zwischen Rekord und Rückschlag

Nach dem starken Jahr 2025 mit einem Plus von 66 Prozent in Dollar ging der Anstieg zunächst weiter. Ende Januar erreichte Gold im Handelsverlauf mit knapp 5.600 Dollar je Unze einen Rekord. Marktbeobachter nannten dafür mehrere Gründe. Dazu zählten die Spannungen im Nahen Osten rund um die Straße von Hormus, ein Ölpreis von zeitweise über 100 Dollar, wieder steigende Inflationszahlen in den USA und die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken.

Danach kippte die Stimmung. Im März und im Juni verlor Gold jeweils fast zwölf Prozent. Ende Juni lag der Preis bei 3.943 Dollar und damit fast 30 Prozent unter dem Rekord. Im August setzte eine Erholung ein, Mitte des Monats kostete eine Unze wieder mehr als 4.400 Dollar. Der September brachte in Dollar erneut ein Minus von mehr als sechs Prozent. Im Oktober rutschte der Preis weiter ab und näherte sich der Marke von 4.000 Dollar. Am 23. Oktober kostete eine Unze rund 4.030 Dollar oder 3.600 Euro.

Die Erwartungen der großen Banken für das Jahresende gehen weit auseinander. Die zuletzt veröffentlichten Prognosen reichten von 4.250 Dollar bei der Bank of America bis 5.000 Dollar bei der Société Générale. Solche Schätzungen werden laufend angepasst und sind keine Zusagen. Als Stütze nennen viele Analysten weiterhin die Käufe der Zentralbanken, die ihre Goldreserven seit Jahren ausbauen.

Die US-Notenbank dreht an der Zinsschraube

Das wichtigste geldpolitische Ereignis des Jahres fiel in die letzten Wochen des dritten Quartals. Am 16. September hob die US-Notenbank Fed ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Es war die erste Erhöhung seit dem Sommer 2023. Die Entscheidung fiel einstimmig unter Kevin Warsh, der im Mai die Nachfolge von Jerome Powell angetreten hatte.

Hintergrund ist die hartnäckige Teuerung. Im September stiegen die Verbraucherpreise in den USA nach Angaben des Arbeitsministeriums um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Das Ziel der Fed liegt bei zwei Prozent. Von den 18 Teilnehmern der September-Sitzung erwarten 16 bis Jahresende mindestens eine weitere Erhöhung. Sinkende Zinsen sind damit vorerst nicht in Sicht.

Nach unserer Einschätzung ist dieser Schritt weniger ein Zeichen von Stärke als ein spätes Eingeständnis. Noch 2021 hatte die Fed die steigenden Preise als vorübergehend eingestuft. Fünf Jahre später liegt die Teuerung fast doppelt so hoch wie ihr Ziel. Für Sparer ist das eine stille Enteignung. Wer sein Geld auf dem Konto liegen lässt, verliert Jahr für Jahr Kaufkraft. Daran ändern auch steigende Leitzinsen wenig, denn bei den Sparern kommt davon meist nur ein Teil an.

Die Frage muss erlaubt sein, wie weit die Notenbanken überhaupt gehen können. Die USA und viele europäische Staaten sind hoch verschuldet, jeder Zinsschritt verteuert ihre Schulden. Der politische Druck ist bereits sichtbar. US-Präsident Donald Trump fordert öffentlich einen Leitzins von einem Prozent oder darunter und hat das am Tag der Erhöhung noch einmal bekräftigt. Wir halten es für wahrscheinlich, dass dieser Druck weiter wächst. Eine Inflation leicht über dem Ziel entwertet die Staatsschulden - auf Kosten der Sparer.

Am Tag der Entscheidung gab der Goldpreis zeitweise rund zwei Prozent nach. Höhere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold auf dem Papier weniger attraktiv. Der Markt hatte den Schritt aber weitgehend erwartet. Die weiteren Verluste bis in den Oktober dürften auch mit der Aussicht auf zusätzliche Zinsschritte zusammenhängen. Wie dieser Zusammenhang funktioniert, erklärt unser Beitrag zur Fed-Zinserhöhung 2026 und ihrer Wirkung auf den Goldpreis.

Auch die Europäische Zentralbank hat 2026 zweimal erhöht, im Juni und im September. Der Zins, den Banken für Einlagen bei der EZB erhalten, liegt nun bei 2,50 Prozent. Der Abstand zu den USA bleibt damit groß. Das dürfte den Dollar gestützt haben.

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Silber nach dem Ausnahmejahr

Silber hat 2026 besonders heftig geschwankt. Das ist die Kehrseite des Vorjahres, in dem der Preis um mehr als 160 Prozent gestiegen war. Ende Januar erreichte Silber mit rund 120 Dollar je Unze einen Rekord. Im März und im Juni verlor es danach jeweils rund ein Fünftel seines Werts. Im August holte es mit einem Plus von gut 15 Prozent einen Teil davon wieder auf. Seitdem geht es erneut abwärts, allein im Oktober um rund zehn Prozent. Am 23. Oktober kostete eine Unze rund 54 Dollar oder 48 Euro. In Euro ist das ein Viertel weniger als zu Jahresbeginn, gemessen am Rekord hat sich der Preis mehr als halbiert.

Silbermünze Maple Leaf mit Ahornblatt-Prägung auf dunklem Holz
Der kanadische Maple Leaf zählt zu den bekanntesten Silbermünzen. Sein Preis folgt dem Silberkurs, der 2026 deutlich stärker schwankt als Gold.

Der Grund für die Unruhe liegt in der Doppelrolle des Metalls. Silber ist Anlage und Industrierohstoff zugleich. Solarindustrie, Elektronik und Elektroautos verbrauchen einen großen Teil der jährlichen Produktion. Diese Nachfrage hängt direkt an der Konjunktur. Kommen Zweifel am Wachstum auf, trifft es Silber doppelt, weil Anleger und Industrie gleichzeitig weniger kaufen. In Aufwärtsphasen verstärken sich beide Kräfte gegenseitig.

Eine einfache Orientierung bietet das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis. Es gibt an, wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold bekommt. Ende Oktober sind es rund 75, zu Jahresbeginn waren es noch rund 57. Viele Anleger lesen einen steigenden Wert als Zeichen, dass Silber im Vergleich zu Gold günstiger geworden ist. Eine Prognose ist das nicht. Wer Silbermünzen kauft, sollte zudem den Aufschlag auf den reinen Metallwert beachten. Er kann in Phasen hoher Nachfrage deutlich steigen.

Platin und Palladium unter Druck

Bei Platin passt das Bild auf den ersten Blick nicht zusammen – das Metall ist knapp, und trotzdem fällt der Preis. Der World Platinum Investment Council, eine Organisation der großen Produzenten, erwartet für 2026 das vierte Defizitjahr in Folge. Es wird also erneut mehr Platin verbraucht, als neu auf den Markt kommt. Die Lücke beträgt nach seiner Schätzung rund 297.000 Unzen. Dennoch fiel der Preis von zeitweise über 2.900 Dollar zu Jahresbeginn auf rund 1.560 Dollar am 23. Oktober. In Euro hat Platin seit Januar rund ein Viertel verloren.

Die Erklärung liegt bei den Käufern. Fonds und Großanleger haben in großem Stil verkauft, die Anlagenachfrage insgesamt hat sich nach Angaben des Councils mehr als halbiert. Zugleich fließt rund neun Prozent mehr Altmetall aus dem Recycling zurück. Gegen den Trend gestiegen ist die Nachfrage privater Käufer nach Platinbarren und Platinmünzen. Das ist typisch für kleine Märkte. Physische Käufer greifen zu, wenn Finanzanleger aussteigen.

Platinmünze Wiener Philharmoniker auf dunkler Steinplatte
Der Wiener Philharmoniker in Platin. Während Fonds verkauften, griffen private Käufer 2026 vermehrt zu Barren und Münzen.

Palladium ist das Schlusslicht der Bilanz. Am 23. Oktober kostete eine Unze rund 1.055 Dollar. In Euro ist das Metall deutlich unter die Marke von 1.000 Euro gerutscht und hat seit Jahresbeginn fast ein Drittel verloren. Die Ursachen sind eher dauerhaft als vorübergehend.

  • Autoindustrie: Palladium steckt vor allem in Katalysatoren von Benzinmotoren. Mit jedem zusätzlichen Elektroauto schrumpft dieser Markt.
  • Austauschbarkeit: Hersteller können Palladium in Katalysatoren teilweise durch Platin ersetzen und umgekehrt. Welches Metall sie wählen, hängt auch vom Preis ab.
  • Kleiner Markt: Anders als bei Gold gibt es kaum Anleger, die Ausfälle in der Industrie auffangen. Einzelne Meldungen bewegen den Preis deshalb stark.

Beide Metalle folgen damit anderen Regeln als Gold. Wer sie beimischen möchte, findet die gängigen Formate in den Kategorien Platin und Palladium.

Was die Zwischenbilanz für Anleger bedeutet

Aus den ersten zehn Monaten 2026 lassen sich einige Beobachtungen ableiten, ohne damit etwas über künftige Kurse zu sagen. Das Beispiel Gold zeigt, wie stark der Blickwinkel das Urteil prägt. Seit Jahresbeginn ist der Preis in Euro nur leicht gesunken. Gemessen am Rekord liegt er mehr als ein Viertel tiefer. Und 2025 hatte Gold in Euro um 47 Prozent zugelegt, den Großteil dieses Zuwachses hat es trotz aller Rückschläge gehalten. Alle drei Aussagen stimmen. Wer Gold als Schutz vor Geldentwertung hält, misst den Erfolg deshalb nicht in Quartalen.

Schwankungen gehören dazu. Monatliche Ausschläge von mehr als zehn Prozent gab es 2026 bei Gold und Silber mehrfach, in beide Richtungen. Wer physisch kauft, sollte seinen Anlagehorizont daran ausrichten. Bei Platin und Palladium zeigt das Jahr zudem, dass ein knappes Angebot allein keine steigenden Preise garantiert.

Unserer Ansicht nach haben sich die Gründe, Gold und Silber zu halten, nicht verändert. Die Inflation in den USA ist zuletzt sogar wieder gestiegen, die Staatsschulden wachsen, und die geopolitischen Spannungen halten an. Die Rückschläge dieses Jahres zeigen aber, dass auch Vermögensschutz Geduld verlangt. Unabhängig von der Marktlage entscheiden beim physischen Kauf einige praktische Punkte mit.

  • Stückelung: Große Einheiten haben meist einen geringeren Aufschlag auf den Metallwert. Kleine lassen sich bei Bedarf einzeln verkaufen.
  • Bekanntheit: International verbreitete Münzen wie der Maple Leaf oder der Krügerrand lassen sich leicht wieder verkaufen.
  • Metallmix: Gold war 2026 der ruhigste Baustein. Wer Silber, Platin oder Palladium beimischt, sollte die stärkeren Schwankungen einplanen.

Einen Überblick über gängige Formate bieten die Kategorien Gold, Goldmünzen und Silber.

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Für den Rest des Jahres stehen noch zwei Entscheidungen der US-Notenbank an, am 28. Oktober und am 9. Dezember. Nach schwachen Arbeitsmarktdaten für September rechneten Marktbeobachter zuletzt eher mit einer Pause im Oktober und einer möglichen weiteren Erhöhung im Dezember. Im Dezember legt die Fed auch neue Prognosen vor. Daneben bleiben die Themen wichtig, die schon die ersten Monate geprägt haben. Dazu zählen die Lage im Nahen Osten und am Ölmarkt, die Inflationsdaten aus den USA und die Käufe der Zentralbanken. Bei Silber, Platin und Palladium kommen Zahlen aus der Autoindustrie und der Solarbranche hinzu.

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Dieser Beitrag dient der Information und Einordnung. Er ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die Kursangaben beruhen auf öffentlich verfügbaren Marktdaten und sind gerundet (Stand 23. Oktober 2026). Angaben zur US-Notenbank stammen aus Veröffentlichungen der Federal Reserve, Inflationsdaten vom US-Arbeitsministerium, Platindaten vom World Platinum Investment Council, weitere Angaben aus Meldungen von Nachrichtenagenturen. Vergangene Kursentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.

Häufige Fragen zur Edelmetall-Bilanz 2026

Wie stehen Gold, Silber, Platin und Palladium nach neun Monaten 2026?

Ende September 2026 lag Gold in Euro fast genau auf dem Niveau vom Jahresbeginn. Silber hatte in Euro rund 18 Prozent verloren, Platin rund 19 Prozent und Palladium rund 23 Prozent. Im Oktober gaben alle vier Metalle weiter nach. Am 23. Oktober lag Gold seit Jahresbeginn knapp drei Prozent im Minus, Silber und Platin rund ein Viertel und Palladium fast ein Drittel.

Warum hat Silber 2026 stärker verloren als Gold?

Silber ist Anlage und Industrierohstoff zugleich. Ein großer Teil wird in Solaranlagen, Elektronik und Elektroautos verbaut, und diese Nachfrage reagiert direkt auf die Konjunktur. Zweifel am Wachstum treffen Silber deshalb doppelt. Hinzu kommt, dass der Preis 2025 um mehr als 160 Prozent gestiegen war. Nach einem solchen Anstieg sind kräftige Rücksetzer keine Seltenheit.

Was hat die US-Notenbank im September 2026 beschlossen?

Die Fed hat ihren Leitzins am 16. September um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Es war die erste Erhöhung seit dem Sommer 2023. Die Entscheidung fiel einstimmig unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Die meisten Notenbanker rechnen mit mindestens einem weiteren Schritt bis zum Jahresende. Die nächsten Entscheidungen stehen am 28. Oktober und am 9. Dezember an.

Warum fällt der Platinpreis, obwohl Platin knapp ist?

Ein knappes Angebot treibt den Preis nur, wenn die Nachfrage stabil bleibt. In diesem Jahr haben Fonds und Großanleger in großem Umfang verkauft. Nach Angaben des World Platinum Investment Council hat sich die Anlagenachfrage mehr als halbiert. Gleichzeitig fließt mehr Platin aus dem Recycling zurück. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband trotzdem eine Versorgungslücke von rund 297.000 Unzen.

Warum ist Palladium 2026 das schwächste Edelmetall?

Palladium wird vor allem in Katalysatoren von Benzinmotoren eingesetzt. Mit der wachsenden Zahl von Elektroautos schrumpft dieser Markt dauerhaft. Hersteller können zudem teilweise auf Platin ausweichen. Eine große Anlegernachfrage, die das ausgleichen könnte, gibt es nicht. Seit Jahresbeginn hat Palladium in Euro fast ein Drittel verloren.

Bedeuten steigende Zinsen automatisch fallende Goldpreise?

Nein. Höhere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold zwar auf dem Papier weniger attraktiv. Die Märkte nehmen erwartete Entscheidungen aber meist vorweg. Am Tag der Fed-Erhöhung gab Gold nur zeitweise rund zwei Prozent nach. Auf längere Sicht spielen Inflation, Staatsschulden und das Vertrauen in Papiergeld eine mindestens ebenso große Rolle.

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